Die Chronische Nierenerkrankung (CNE) der Katze

Die chronische Nierenerkrankung (CNE) ist eine über Monate und Jahre fortschreitende und unheilbare Erkrankung vorwiegend älterer Katzen und die häufigste Todesursache von alten Katzen.

 

Eine chronische Nierenerkrankung (CNE) wird von Polzin (2011)  definiert als “das Vorhandensein von strukturellen oder funktionellen Veränderungen einer oder beider Nieren, die über einen Zeitraum von 3 Monate oder länger, bestehen.” Diese Definition umfasst damit eine breite Basis an Ausprägungen und Ursachen der CNE, so dass jeder Verlauf einer CNE sehr individuell ablaufen kann.

 

Die chronische Nierenerkrankung ist dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer fortschreitenden Abnahme der Anzahl an Nephronen, den Funktionseinheiten der Niere kommt. Auch wenn die Nieren der Katze über 200.000 Nephrone verfügen, können diese nicht nachwachsen, wenn sie einmal geschädigt sind. Wenn weniger Nephrone zur Verfügung stehen, sinkt die Nierenleistung und es kommt zu einer Niereninsuffizienz (chronische Niereninsuffizienz = CNI). Die verfallenen Nephrone werden durch Entzündungsprozesse (= Immunprozesse) in Narbengewebe umgebaut. Narbengewebe ist funktionslos. Nimmt die Anzahl der funktionsfähigen Nephrone immer weiter ab, entsteht immer mehr Narbengewebe, was zu einer schlechten Prognose führt. Es kommt zu einer Nierenfibrose, die die Nieren verkleinert. Im Laufe der CNE können die Nieren daher deutlich schrumpfen oder sich auch vergrößern, je nach Ursache.

DIe Abnahme der Nephrone führt mit der Zeit zu einer abnehmenden Nierenfunktion bei der Katze

Die Nephrone sind dafür zuständig, die Zusammensetzung des Urins zu kontrollieren. Dabei werden gezielt überflüssige und harnpflichtige Stoffe wie Giftstoffe, Stoffwechselendprodukte (z.B. Kreatinin) und überschüssige Mineralien (z.B. Phosphat) ausgeschieden. Wasser wird zurückgewonnen ebenso wie notwendige Stoffe. Bei der CNE können die noch vorhandenen Nephrone die Aufgaben der bereits zerfallenen Nephrone nicht ausreichend übernehmen, so dass sich Giftstoffe im Blut zurückstauen. Die zunehmende Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Blut (= Urämie) führt zur Harnvergiftung und klinischen Symptomen.

Zudem trocknen die Katzen aus, weil nicht genug Wasser in den Nephronen zurückgewonnen werden kann. Die Nieren sind an einer Vielzahl von Prozessen im Körper beteiligt, die bei der CNE in Mitleidenschaft geraten. Es gibt einige sich selbst verstärkende Prozesse, die das Fortschreiten der CNE fördern.

Erst wenn etwa 2/3 bis 3/4 der Nephrone zerstört sind, werden klinische Symptome bemerkt. Das erklärt auch, warum viele Katzen mit CNE erst spät in der Tierarztpraxis vorgestellt werden.

Mehr dazu unter Was sind Nephrone

Ursachen und Risikogruppen

Die zugrunde liegende Ursachen der chronischen Nierenerkrankung bleiben oft unklar. Als Ursache kommen entzündliche Prozesse in den Nieren in Frage. Viele Katzen weisen eine chronische tubulointerstitielle Nephritis (= eine lang anhaltende Entzündung der Nieren, die das Nierengewebe, insbesondere die Nierenkanälchen (Tubuli) und das umliegende Gewebe (Interstitium), betrifft). Diese Entzündung kann über Jahre hinweg fortschreiten und zu einer Schädigung und Vernarbung (Fibrose) des Nierengewebes führen. Als Ursache solcher Schädigungen kommen toxische Schädigungen (Gifte, bestimmte nierenschädigende Medikamente), Unterversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) z.B. während Narkosen, chronische Nierenbeckenentzündungen, Harnsteine, Virusinfektionen (Retrovieren, Morbilliviren), eine chronische Glomerulonephritis (= längerfristige, entzündliche Erkrankung der Nierenkörperchen (Glomeruli), die zu einer fortschreitenden Schädigung der Nierenfunktion führt). Andere Ursachen sind Amyloidose (= Ablagerung von Immunglobulin-Ketten in Organen wie eben auch die Nieren), polyzystische Nierenerkrankung (= erblich bedingte Zystenbildung in den Nieren), Nierentumoren, Mineralstoffstörung, bei der die Nieren verkalken (= Nierenkalzinose) und angeborene Störungen, die mit bestimmten Rassen verbunden werden.

Tatsächlich sind die Europäische Kurzhaar-Katze am häufigsten betroffen. Das liegt aber an ihrer Verteilung. Es gibt Rassen, denen eine Neigung zur CNE nachgesagt wird. Dazu gehören: Main Coon, Burmesen, Siam, Russisch Blau, Abessinier.

Die CNE tritt bei 10-30% der Katzen über 10 Jahren auf.

Die Chronische Nierenerkrankung der Katze (CNE) tritt bei 10-30% der Katzen über die 10 Jahre auf. Bei Katzen über 15 Jahren ist bereits jede zweite oder dritte von der CNE betroffen. Bereits ab 7 Jahre finden sich meist erste Anzeichen für den Beginn – wie etwa ein individuell erhöhter Kreatinin-Wert oder ein knapp erhöhter SDMA-Wert.

 

Da es keine Heilung gibt, ist eine frühzeitige Diagnose der einzige Weg für ein längeres und besseres Katzenleben. Denn durch gezieltes Management kann das Fortschreiten der CNE verlangsamt und die Lebensqualität der Katze erhöht werden. Daher ist es sinnvoll, bei Katzen ab einem Alter von 7 Jahren mindestens jährliche Gesundheits-Checks mit Blutuntersuchungen zu machen, um eine CNE frühzeitig zu identifizieren.