
Klinische Symptome bei der CNE
Klinische Symptome können in jedem Stadium der chronischen Nierenerkrankung (CNE) auftreten und sehr individuell sein. Am häufigsten sind klinische Symptome jedoch, wenn bereits eine Urämie, eine Anreicherung des Blutes mit harnpflichtigen Stoffen wie etwa urämische Toxine und Harnstoff vorliegt. Urämische Toxine lagern sich in vielen Organen ein und führen dort zu Schadwirkungen, die zu klinischen Symptomen führen können. Die Urämie kann zu einer Harnvergiftung führen und ist verantwortlich für viele Symptome im Zusammenhang mit der CNE. Sie tritt meist in den späteren Stadien der CNE auf, wenn die Nieren schon ¾ ihrer Nephronen verloren haben.
Es gibt kein eindeutiges, nur für die CNE sprechendes klinisches Symptom (= Kardinalsymptom). Jede Katze durchläuft die CNE sehr individuell. Das gilt auch für die Symptome. Dabei können die Symptome sich über Wochen und Monate schleichend entwickeln.

Vermehrtes Trinken (Polydipsie = PD)
Polydipsie (PD)= Vermehrte Wasseraufnahme von mehr als 100 ml pro kg Körpergewicht und Tag.
Die Katzen versuchen zum Teil aus ungewöhnlichen Wasserquellen zu trinken (Untertöpfe, WC-Schüssel, Wasserhahn etc.). vermehrtes Trinken kann daher lange unbemerkt bleiben. Obwohl Katzen vermehrt trinken, trocknen sie im Laufe der CNE immer mehr aus, da sie Wasser über den Urin verlieren, weil es von den geschädigten Nieren nicht mehr zurückgewonnen werden kann. Üblicherweise werden ca. 99% des ausgefilterten Wassers wieder zurückgewonnen und der Harn stark konzentriert. Das führt zu geringen Urinmengen.

Vermehrtes Pinkeln (Polyurie = PU)
Polyurie (PU) = hohe Urinmenge mit mehr als 50 ml pro kg Körpergewicht und Tag.
Die erhöhte Urinausscheidung steht im Zusammenhang mit der vermehrten Wasseraufnahme. Katzen verlieren bei der CNE die Fähigkeit, den Harn zu konzentrieren und Wasser zurückzugewinnen. Daher verlieren sie Wasser über den Urin und das erhöht die Urinmenge. Vermehrtes Urinieren kann insbesondere bei Hauskatzen gut anhand der Einstreu beobachtet werden.
Häufig werden als erste Anzeichen Magen-Darm-Problematiken von KatzenhalterInnen erkannt. Dazu gehören Erbrechen, Fressunlust, Appetitlosigkeit und Durchfall.

Appetitlosigkeit/Fressunlust
Die Fressunlust/Appetitlosigkeit (= Inappetenz) kann viele Ursachen haben: von Maul- bis Magenschleimhautentzündungen. Aber auch Zahnprobleme, schlechter Atem, Anstieg der urämischen Toxine im Blut und Abgeschlagenheit. Sie ist in jedem Fall ein auffälliges Allgemeinsymptom. CNE-Katzen haben im Laufe der Erkrankung häufig sehr wechselhaften Appetit. Sie fressen dann selbst ihr Lieblingsfutter nicht mehr oder nur mäkelig.

Erbrechen
Das Erbrechen ist ein häufiger Begleiter von CNE-Katzen. Es kann immer wieder einmal während der unterschiedlichen CNE-Stadien auftreten.

Atemgeruch (= Halitosis)
Viele Katzen haben im Stadium der Urämie einen hervorstechenden Atemgeruch. Dann kann der Maulgeruch unangenehm urinartig riechen. Ursachen dafür sind die Ausatmung von harnpflichtigen Substanzen wie urämische Toxine und Harnstoff, die sich in der Maulschleimhaut ansammeln, sowie Maulschleimhautgeschwüre, Veränderungen im Magen-Darm-Trakt oder auch Zahnprobleme. Maulgeruch kann dazu führen, dass die Katze schlechter frisst.

Mattigkeit/Abgeschlagenheit (= Apathie) /Schläfrigkeit/Teilnahmslosigkeit
Vielen alten Katzen werden Schläfrigkeit und Mattigkeit zugeschrieben als Symptom des Alters. Dabei kann gerade die Teilnahmslosigkeit und Abgeschlagenheit ein wichtiges Symptom zur Erkennung der CNE sein.

Gewichtsverlust
Gerade der Gewichtsverlust von 5% bis 10% über mehrere Monate hinweg kann ein sehr frühes Anzeichen einer CNE sein. Da sich bei einer 5 kg schweren Katzen 5% Gewichtsverlust auf der Waage nur als 250 Gramm auswirken, benötigt man entsprechend genaue Waagen. Für das regelmäßige Wiegen der Katze sollten entsprechende Waagen wie etwa eine Babywaage verwendet werden, die in vielen Tierarztpraxen vorhanden sind.

Schlechter Allgemeinzustand, struppiges Fell & Abbau von Muskelmasse
Katzen mit CNE verlieren nicht nur an Gewicht, sondern bauen dabei auch Muskelmasse ab. Die Katze wirkt im Laufe der CNE häufig struppiger und mergelt aus. Sie kann auch Schwäche zeigen und wanken. Insgesamt verschlechtert sich der Allgemeinzustand mit Fortschreiten der Erkrankung fortwährend.

Plantigrader Gang
Ein besonderes Symptom bei der CNE-Katze ist der plantigrade Gang, bei dem die Katzen auf ihren Sprunggelenken laufen. Das sieht wie eine Hinterhandsschwäche bzw. ein Kaninchengang aus. Ursache für den plantigraden Gang ist eine Nervenschädigung durch Ansammlung von Phosphat im Blut (= Hyperphosphatämie). Wird der Phosphat-Blutspiegel gesenkt, läuft die Katze meist wieder normal. In Zusammenhang mit Diabetes kann es ebenfalls zu einem plantigraden Gang kommen.
Durch die Reduzierung der Hormonbildung in den Nieren kann es zu Anämie, zu Bluthochdruck (= Hypertension) und vielen weiteren Symptomen kommen. Klinische Symptome verringern die Lebensqualität der CNE-Katze. Daher ist neben der Verlangsamung des Fortschreitens der CNE gerade die Verbesserung der Lebensqualität ein entscheidendes Behandlungsziel bei der Therapie der CNE.